


















Milen Till
Wiener Aktivismus (Viennese Activism)
21. November 2025 bis 17. Januar 2026
Galerie Crone Wien
Wir freuen uns sehr, die Ausstellung Wiener Aktivismus (Viennnese Activism) des deutsch-französischen Künstlers Milen Till in unseren Wiener Galerieräumen präsentieren zu dürfen. Gezeigt wird ein neuer Werkkomplex, der die visuelle Sprache von Protestkultur und Aktionskunst miteinander verbindet.
Scharfsinn, Leichtigkeit und ein feiner Sinn für Humor sprechen aus den Werken von Milen Till. Er kombiniert Objektkunst, Ready-Made-Art und Konzeptualismus mit
kunsthistorischer Recherche und präzisen Beobachtungen unserer Gegenwart. Immer wieder greift er ikonische Werke berühmter Künstler*innen auf und gibt ihnen
einen neue Bedeutung. Dabei untersucht er ihre visuellen Codes und Wirkungsweisen. Er baut Malevichs schwarzes Quadrat aus Zollstöcken nach, formt ein Solarpanel aus Yves Klein-blauen Postkarten oder stapelt Tassen zu einer endlosen Säule à la Constantin Brâncuși. Christbaumkugeln verwandeln sich in Handgranaten, Kühlschranktüren werden zu Kunstwerken und Bierdeckel zu skulpturalen Objekten. Auf diese Weise schärft Till unseren Blick für das Alltägliche – und hinterfragt zugleich unsere Vorstellungen vom Wert und Wesen der Kunst. In seinen neuen Arbeiten für die Ausstellung Wiener Aktivismus (Viennese Activism) verbindet er die Bildsprache zweier Bewegungen, die den Körper zum Ort politischer Dringlichkeit und die Straße zur Bühne ihres Protests
machten. Er verknüpft die radikalen Ausdrucksformen des Wiener Aktionismus mit den kompromisslosen Gesten des Klimaaktivismus und macht auf Parallelen in der Bilderzeugung aufmerksam.
Die vom Museumsglas triefende Tomatensuppe auf van Goghs Sonnenblumen, oder der schwarze Ölfleck auf Klimts Gemälde Tod und Leben – die Aktionen aktivistischer Gruppen wie Letzte Generation oder Just Stop Oil bedienen sich bewusst oder unbewusst einer Formensprache, die in der Kunstgeschichte schon 60 Jahre zuvor erprobt wurde. Der Wiener Aktionismus, in den 1960er-Jahren von Günter Brus, Hermann Nitsch, Rudolf
Schwarzkogler und Otto Mühl begründet, suchte nach einer Befreiung von einer als repressiv wahrgenommenen Gesellschaft und sprengte dabei die Grenzen der Malerei. Vor allem Hermann Nitsch ist bekannt geworden für seine großformatigen Schüttbilder, die durch gestisches Auftragen der Farbe entstanden sind.
Milen Till verbindet diese beiden Pole nun in seiner Werkserie Viennese Activism. Dafür verwendet er historische Bilderrahmen, die von Plexiglashauben geschützt
werden. Ihr Inneres, dort wo in der Vergangenheit schon Werke von Wassily Kandinsky oder Gabriele Münter hingen, bleibt nun bewusst leer. Stattdessen schüttet Till Farbe in einem expressiven Gestus auf die zuvor unberührte Plexiglasscheibe. Rote, blaue oder schwarze Schlieren überziehen die transparente Oberfläche. Die Grenze von Bild und Rahmen, von zweidimensionaler Malerei und dreidimensionalem Objekt verschwimmt.
Der Einsatz des Körpers ging sowohl im Wiener Aktionismus als auch im Klimaaktivismus weit über das bloße Schütten von Farbe hinaus. Vor allem Günter Brus machte seinen Körper zum zentralen Werkzeug seiner Kunst. Er bemalte, fesselte und verletzte sich, entblößte und präsentierte sich einem schockierten Publikum. In seinen Körper-Objekt-Konstellationen inszenierte er Folterinstrumente wie Nägel, Messer, Rasierklingen oder Scheren neben bemalten Körperteilen wie seinem Kopf oder seiner Hand. Während sein Körper in diesen fotografischen Arrangements aber vorerst unversehrt bleibt, gehen die
Klimaaktivisten einen Schritt weiter. Sie kleben sich an Bilderrahmen oder Straßenkreuzungen fest und nehmen Verletzungen dadurch in Kauf. Ihre Bilder zirkulieren in Echtzeit durch die sozialen Medien. Sie zeigen Momente, die unter die Haut gehen: Auf dem Asphalt klebende oder von Presslufthammern befreite Hände, an denen in fast schon skulpturaler Form Betonreste kleben. Milen Till stellt sie Günter Brus‘ zeitlos wirkenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen gegenüber. Mit ihrer nüchternen Sachlichkeit stehen sie im Kontrast zu den flüchtigen Momentaufnahmen der medialen Berichterstattung. Der Bildträger aus geschliffenem Alu-Dibond greift die metallische Materialität von Brus‘ Folterwerkzeugen wieder auf. Die Aneinanderreihung der Bilder lässt an eine Straßenblockade denken. Die rhythmische Gegenüberstellung übersetzt
die symbolische Kraft des Wiener Aktionismus in die brutale Realität der Gegenwart.
In seinen Arbeiten Selbstbeklebung vollzieht Till schließlich den letzten Schritt und bindet nun auch seinen eigenen Körper in den Werkkomplex mit ein. Er entwickelt einen Abguss seiner eigenen Hand, die in ihrem strahlenden Weiß an die Bemalungen von Günter Brus erinnert. Auf weißem Untergrund fixiert wird sie zum Sinnbild für die kompromisslosen Aktionen der Klimaaktivisten. Nur das vergilbte Expoxidkleber bricht die Unversehrtheit des Weiß und erinnert an die morbiden Inszenierungen
der Wiener Aktionisten.
Diese Thematik greift Till in seiner Werkserie der Handgranaten wieder auf, in der Christbaumkugeln zu museal inszenierten Bildwerken werden. Das humorvolle und zugleich präzise Wortspiel verweist auf Protestaktionen, bei denen mit Farbe gefüllter Christbaumschmuck zum Wurfgeschoss wird. Till eröffnet hier ein Spannungsfeld
zwischen pazifistischer Festlichkeit und gewaltvollem Protestgestus, in dem Betrachter:innen sich spiegelnd verorten können.
Der Wiener Aktionismus sorgt auch noch sechzig Jahre nach seinem Entstehen für kritische Debatten. Till verzichtet in diesem Kontext bewusst auf eine Bezugnahme
auf Otto Mühl, der 1991 wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. In seinen Werken beschäftigt er sich mit der
versteckten Logik der Bilderzeugung, die Aktionskunst und Aktivismus über die Jahrzehnte hinweg miteinander verbindet. Als sensibler Beobachter lenkt er unsere
Aufmerksamkeit auf Zusammenhänge, die uns sonst verborgen bleiben und übersetzt sie in seine ganz eigene, humorvoll pointierte, künstlerische Formensprache. Er untersucht die vielfältigen Mechanismen visueller Kommunikation – und schafft einen Resonanzraum, in dem Fragen offen bleiben und weiterklingen.
Milen Till wurde 1984 in München geboren. Zusammen mit seinem Bruder Amédée bildete er das legendäre DJDuo Kill The Tills, bevor er sich 2016 der bildenden Kunst zuwandte. Er studierte an der Münchner Kunstakademie bei Gregor Hildebrandt, wo er 2020 mit dem
Meisterdiplom abschloss. Er nahm an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teil, unter anderem der Galerie Crone, Berlin; Galerie Ruttkowski;68, Köln; Galerie Klüser, München, der Baumwollspinnerei Leipzig, dem Kunstverein Heppenheim, der Galerie Suzanne Tarasieve, Paris, der Avlskarl Gallery, Kopenhagen, der Villa Schöningen, Potsdam, der Villa Stuck, München, dem Kunstquartier Bethanien, Berlin, sowie den Rumänischen Kulturinstituten in Berlin und Paris. Tills erstes Buch, Till
Now, erschien im Juni 2023 im Hatje Cantz Verlag.
Text von Anja Heitzer
Milen Till
Wiener Aktivismus (Viennese Activism)
November 21 2025 till January 17, 2026
Galerie Klüser
We are delighted to present the exhibition Wiener Aktivismus (Viennese Activism) by German-French artist Milen Till in our gallery space. On display is a new corpus of works, which combines the visual language of protest culture and action art.
Milen Till‘s works are characterized by astuteness, lightness, and a subtle sense of humor. He combines object art, ready-made art, and conceptualism with art-historical research and precise observations of our present. He repeatedly draws on iconic works by renowned artists and gives them new meaning. In doing so, he examines their visual codes and modes of operation. He recreates Malevich‘s black square out of folding rulers, forms a solar panel out of Yves Klein-blue postcards, or stacks teacups into an endless column à la Constantin Brâncuși. Christmas tree baubles are transformed into hand grenades, refrigerator doors become works of art, and beer coasters become sculptural objects. In this way, Till sharpens our perception of everyday objects—and at the same time questions our ideas about the value and nature of art.
In his recent works for the exhibition Wiener Aktivismus (Viennese Activism), he combines the visual language of two movements that turned the body into a place of political urgency and the street into a stage for their protest. He links the radical forms of expression of Viennese Actionism with the uncompromising gestures of climate activism, drawing attention to parallels in image creation.
The tomato soup dripping from the museum glass on van Gogh‘s Sunflowers, or the black oil stain on Klimt‘s painting Tod und Leben (Death and Life) – the actions of activist groups such as Letzte Generation (Last Generation) or Just Stop Oil consciously or unconsciously employ a formal language that was already being explored 60 years ago. Viennese Actionism, founded in the 1960s by Günter Brus, Hermann Nitsch, Rudolf Schwarzkogler, and others, sought liberation from repressive, authoritarian social structures, thereby breaking the boundaries of painting. Hermann Nitsch became particularly well-known for his large-format Schüttbilder (splatter paintings), which were created through the gestural application of paint.
Milen Till now combines these two poles in his series Viennese Activism. For this purpose, he uses historical picture frames protected by acrylic glass covers. Their interiors, where works by Wassily Kandinsky or Gabriele Münter once hung, now remain deliberately empty. Instead, Till pours paint onto the previously untouched acrylic glass in an expressive gesture. Red, blue, or black streaks cover the transparent surface. The boundary between image and frame, and between two- and threedimensional objects, becomes blurred.
The use of the body went far beyond simply pouring paint, both in Viennese Actionism and in climate activism. Günter Brus, in particular, made his body the central tool of his art. He painted, tied up, injured, exposed, and presented himself to a shocked audience. In his body-object constellations, he staged instruments of torture such as nails, knives, razor blades, or scissors alongside painted body parts such as his head or hand. While his body remains unharmed in these photographic arrangements, climate activists go one step further. They glue themselves to picture frames or street intersections, accepting injuries as a consequence. Their images circulate in real time on social media. They show haunting moments: hands stuck to the asphalt or freed by jackhammers, with concrete residue stuck to them in an almost sculptural form. Milen Till contrasts them with Günter Brus‘ timeless black-and-white photographs. With their sober objectivity, they stand in contrast to the fleeting snapshots of media coverage. The image carrier made of polished aluminum Dibond echoes the metallic materiality of Brus‘ torture instruments. The sequence of images is reminiscent of a roadblock. The rhythmic juxtaposition translates the symbolic power of Viennese Actionism into the brutal reality of the present.
In his works Selbstbeklebung (Self-Adhesion), Till takes the final step and now also incorporates his own body into the complex of works. He develops a cast of his own hand, whose radiant white color is reminiscent of Günter Brus‘ paintings. Fixed on a white base, it becomes a symbol of the uncompromising actions of climate activists. Only the yellowed epoxy glue breaks the integrity of the white and is reminiscent of the morbid stagings of the Vienna Actionists.
Till revisits this theme in his series of Handgranaten (hand grenades), in which Christmas tree baubles become museum-like visual works. The humorous and at the same time precise play on words refers to protest actions in which Christmas tree decorations filled with paint become projectiles. Till creates a field of tension between pacifist festivity and violent protest gestures, in which viewers can situate themself in a reflected form.
Sixty years after its inception, Viennese Actionism continues to spark critical debate. In this context, Till deliberately refrains from referring to Otto Mühl, who was sentenced to several years in prison in 1991 for sexual abuse and rape. In his works, he deals with the hidden logic of image creation that has linked action art and activism over the decades. Being a perceptive observer, he draws our attention to connections that would otherwise stay hidden and translates them into his own, humorously pointed, artistic language. He explores the diverse mechanisms of visual communication—and creates a space for resonance where questions stay open and keep echoing.
Milen Till was born in Munich in 1984. Together with his brother Amédée, he formed the legendary DJ duo Kill The Tills before turning to visual arts in 2016. He studied at the Munich Art Academy under Gregor Hildebrandt, graduating in 2020. He has participated in numerous solo and group exhibitions, including at Galerie Crone, Berlin; Galerie Ruttkowski;68, Cologne; Galerie Klüser, Munich; Baumwollspinnerei Leipzig; Kunstverein Heppenheim; Galerie Suzanne Tarasieve, Paris; Avlskarl Gallery, Copenhagen; Villa Schöningen, Potsdam; Villa Stuck, Munich, Kunstquartier Bethanien, Berlin, and the Romanian Cultural Institutes in Berlin and Paris. Till‘s first book, Till Now, was published in June 2023 by Hatje Cantz Verlag.
Text by Anja Heitzer
Photos © Simon Veres




















Milen Till
Wiener Aktivismus (Viennese Activism)
21. November 2025 bis 17. Januar 2026
Galerie Crone Wien
Wir freuen uns sehr, die Ausstellung Wiener Aktivismus (Viennnese Activism) des deutsch-französischen Künstlers Milen Till in unseren Wiener Galerieräumen präsentieren zu dürfen. Gezeigt wird ein neuer Werkkomplex, der die visuelle Sprache von Protestkultur und Aktionskunst miteinander verbindet.
Scharfsinn, Leichtigkeit und ein feiner Sinn für Humor sprechen aus den Werken von Milen Till. Er kombiniert Objektkunst, Ready-Made-Art und Konzeptualismus mit
kunsthistorischer Recherche und präzisen Beobachtungen unserer Gegenwart. Immer wieder greift er ikonische Werke berühmter Künstler*innen auf und gibt ihnen
einen neue Bedeutung. Dabei untersucht er ihre visuellen Codes und Wirkungsweisen. Er baut Malevichs schwarzes Quadrat aus Zollstöcken nach, formt ein Solarpanel aus Yves Klein-blauen Postkarten oder stapelt Tassen zu einer endlosen Säule à la Constantin Brâncuși. Christbaumkugeln verwandeln sich in Handgranaten, Kühlschranktüren werden zu Kunstwerken und Bierdeckel zu skulpturalen Objekten. Auf diese Weise schärft Till unseren Blick für das Alltägliche – und hinterfragt zugleich unsere Vorstellungen vom Wert und Wesen der Kunst. In seinen neuen Arbeiten für die Ausstellung Wiener Aktivismus (Viennese Activism) verbindet er die Bildsprache zweier Bewegungen, die den Körper zum Ort politischer Dringlichkeit und die Straße zur Bühne ihres Protests
machten. Er verknüpft die radikalen Ausdrucksformen des Wiener Aktionismus mit den kompromisslosen Gesten des Klimaaktivismus und macht auf Parallelen in der Bilderzeugung aufmerksam.
Die vom Museumsglas triefende Tomatensuppe auf van Goghs Sonnenblumen, oder der schwarze Ölfleck auf Klimts Gemälde Tod und Leben – die Aktionen aktivistischer Gruppen wie Letzte Generation oder Just Stop Oil bedienen sich bewusst oder unbewusst einer Formensprache, die in der Kunstgeschichte schon 60 Jahre zuvor erprobt wurde. Der Wiener Aktionismus, in den 1960er-Jahren von Günter Brus, Hermann Nitsch, Rudolf
Schwarzkogler und Otto Mühl begründet, suchte nach einer Befreiung von einer als repressiv wahrgenommenen Gesellschaft und sprengte dabei die Grenzen der Malerei. Vor allem Hermann Nitsch ist bekannt geworden für seine großformatigen Schüttbilder, die durch gestisches Auftragen der Farbe entstanden sind.
Milen Till verbindet diese beiden Pole nun in seiner Werkserie Viennese Activism. Dafür verwendet er historische Bilderrahmen, die von Plexiglashauben geschützt
werden. Ihr Inneres, dort wo in der Vergangenheit schon Werke von Wassily Kandinsky oder Gabriele Münter hingen, bleibt nun bewusst leer. Stattdessen schüttet Till Farbe in einem expressiven Gestus auf die zuvor unberührte Plexiglasscheibe. Rote, blaue oder schwarze Schlieren überziehen die transparente Oberfläche. Die Grenze von Bild und Rahmen, von zweidimensionaler Malerei und dreidimensionalem Objekt verschwimmt.
Der Einsatz des Körpers ging sowohl im Wiener Aktionismus als auch im Klimaaktivismus weit über das bloße Schütten von Farbe hinaus. Vor allem Günter Brus machte seinen Körper zum zentralen Werkzeug seiner Kunst. Er bemalte, fesselte und verletzte sich, entblößte und präsentierte sich einem schockierten Publikum. In seinen Körper-Objekt-Konstellationen inszenierte er Folterinstrumente wie Nägel, Messer, Rasierklingen oder Scheren neben bemalten Körperteilen wie seinem Kopf oder seiner Hand. Während sein Körper in diesen fotografischen Arrangements aber vorerst unversehrt bleibt, gehen die
Klimaaktivisten einen Schritt weiter. Sie kleben sich an Bilderrahmen oder Straßenkreuzungen fest und nehmen Verletzungen dadurch in Kauf. Ihre Bilder zirkulieren in Echtzeit durch die sozialen Medien. Sie zeigen Momente, die unter die Haut gehen: Auf dem Asphalt klebende oder von Presslufthammern befreite Hände, an denen in fast schon skulpturaler Form Betonreste kleben. Milen Till stellt sie Günter Brus‘ zeitlos wirkenden Schwarz-Weiß-Aufnahmen gegenüber. Mit ihrer nüchternen Sachlichkeit stehen sie im Kontrast zu den flüchtigen Momentaufnahmen der medialen Berichterstattung. Der Bildträger aus geschliffenem Alu-Dibond greift die metallische Materialität von Brus‘ Folterwerkzeugen wieder auf. Die Aneinanderreihung der Bilder lässt an eine Straßenblockade denken. Die rhythmische Gegenüberstellung übersetzt
die symbolische Kraft des Wiener Aktionismus in die brutale Realität der Gegenwart.
In seinen Arbeiten Selbstbeklebung vollzieht Till schließlich den letzten Schritt und bindet nun auch seinen eigenen Körper in den Werkkomplex mit ein. Er entwickelt einen Abguss seiner eigenen Hand, die in ihrem strahlenden Weiß an die Bemalungen von Günter Brus erinnert. Auf weißem Untergrund fixiert wird sie zum Sinnbild für die kompromisslosen Aktionen der Klimaaktivisten. Nur das vergilbte Expoxidkleber bricht die Unversehrtheit des Weiß und erinnert an die morbiden Inszenierungen
der Wiener Aktionisten.
Diese Thematik greift Till in seiner Werkserie der Handgranaten wieder auf, in der Christbaumkugeln zu museal inszenierten Bildwerken werden. Das humorvolle und zugleich präzise Wortspiel verweist auf Protestaktionen, bei denen mit Farbe gefüllter Christbaumschmuck zum Wurfgeschoss wird. Till eröffnet hier ein Spannungsfeld
zwischen pazifistischer Festlichkeit und gewaltvollem Protestgestus, in dem Betrachter:innen sich spiegelnd verorten können.
Der Wiener Aktionismus sorgt auch noch sechzig Jahre nach seinem Entstehen für kritische Debatten. Till verzichtet in diesem Kontext bewusst auf eine Bezugnahme
auf Otto Mühl, der 1991 wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. In seinen Werken beschäftigt er sich mit der
versteckten Logik der Bilderzeugung, die Aktionskunst und Aktivismus über die Jahrzehnte hinweg miteinander verbindet. Als sensibler Beobachter lenkt er unsere
Aufmerksamkeit auf Zusammenhänge, die uns sonst verborgen bleiben und übersetzt sie in seine ganz eigene, humorvoll pointierte, künstlerische Formensprache. Er untersucht die vielfältigen Mechanismen visueller Kommunikation – und schafft einen Resonanzraum, in dem Fragen offen bleiben und weiterklingen.
Milen Till wurde 1984 in München geboren. Zusammen mit seinem Bruder Amédée bildete er das legendäre DJDuo Kill The Tills, bevor er sich 2016 der bildenden Kunst zuwandte. Er studierte an der Münchner Kunstakademie bei Gregor Hildebrandt, wo er 2020 mit dem
Meisterdiplom abschloss. Er nahm an zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen teil, unter anderem der Galerie Crone, Berlin; Galerie Ruttkowski;68, Köln; Galerie Klüser, München, der Baumwollspinnerei Leipzig, dem Kunstverein Heppenheim, der Galerie Suzanne Tarasieve, Paris, der Avlskarl Gallery, Kopenhagen, der Villa Schöningen, Potsdam, der Villa Stuck, München, dem Kunstquartier Bethanien, Berlin, sowie den Rumänischen Kulturinstituten in Berlin und Paris. Tills erstes Buch, Till
Now, erschien im Juni 2023 im Hatje Cantz Verlag.
Text von Anja Heitzer
Milen Till
Wiener Aktivismus (Viennese Activism)
November 21 2025 till Januars 17 2026
We are delighted to present the exhibition Wiener Aktivismus (Viennese Activism) by German-French artist Milen Till in our gallery space. On display is a new corpus of works, which combines the visual language of protest culture and action art.
Milen Till‘s works are characterized by astuteness, lightness, and a subtle sense of humor. He combines object art, ready-made art, and conceptualism with art-historical research and precise observations of our present. He repeatedly draws on iconic works by renowned artists and gives them new meaning. In doing so, he examines their visual codes and modes of operation. He recreates Malevich‘s black square out of folding rulers, forms a solar panel out of Yves Klein-blue postcards, or stacks teacups into an endless column à la Constantin Brâncuși. Christmas tree baubles are transformed into hand grenades, refrigerator doors become works of art, and beer coasters become sculptural objects. In this way, Till sharpens our perception of everyday objects—and at the same time questions our ideas about the value and nature of art.
In his recent works for the exhibition Wiener Aktivismus (Viennese Activism), he combines the visual language of two movements that turned the body into a place of political urgency and the street into a stage for their protest. He links the radical forms of expression of Viennese Actionism with the uncompromising gestures of climate activism, drawing attention to parallels in image creation.
The tomato soup dripping from the museum glass on van Gogh‘s Sunflowers, or the black oil stain on Klimt‘s painting Tod und Leben (Death and Life) – the actions of activist groups such as Letzte Generation (Last Generation) or Just Stop Oil consciously or unconsciously employ a formal language that was already being explored 60 years ago. Viennese Actionism, founded in the 1960s by Günter Brus, Hermann Nitsch, Rudolf Schwarzkogler, and others, sought liberation from repressive, authoritarian social structures, thereby breaking the boundaries of painting. Hermann Nitsch became particularly well-known for his large-format Schüttbilder (splatter paintings), which were created through the gestural application of paint.
Milen Till now combines these two poles in his series Viennese Activism. For this purpose, he uses historical picture frames protected by acrylic glass covers. Their interiors, where works by Wassily Kandinsky or Gabriele Münter once hung, now remain deliberately empty. Instead, Till pours paint onto the previously untouched acrylic glass in an expressive gesture. Red, blue, or black streaks cover the transparent surface. The boundary between image and frame, and between two- and threedimensional objects, becomes blurred.
The use of the body went far beyond simply pouring paint, both in Viennese Actionism and in climate activism. Günter Brus, in particular, made his body the central tool of his art. He painted, tied up, injured, exposed, and presented himself to a shocked audience. In his body-object constellations, he staged instruments of torture such as nails, knives, razor blades, or scissors alongside painted body parts such as his head or hand. While his body remains unharmed in these photographic arrangements, climate activists go one step further. They glue themselves to picture frames or street intersections, accepting injuries as a consequence. Their images circulate in real time on social media. They show haunting moments: hands stuck to the asphalt or freed by jackhammers, with concrete residue stuck to them in an almost sculptural form. Milen Till contrasts them with Günter Brus‘ timeless black-and-white photographs. With their sober objectivity, they stand in contrast to the fleeting snapshots of media coverage. The image carrier made of polished aluminum Dibond echoes the metallic materiality of Brus‘ torture instruments. The sequence of images is reminiscent of a roadblock. The rhythmic juxtaposition translates the symbolic power of Viennese Actionism into the brutal reality of the present.
In his works Selbstbeklebung (Self-Adhesion), Till takes the final step and now also incorporates his own body into the complex of works. He develops a cast of his own hand, whose radiant white color is reminiscent of Günter Brus‘ paintings. Fixed on a white base, it becomes a symbol of the uncompromising actions of climate activists. Only the yellowed epoxy glue breaks the integrity of the white and is reminiscent of the morbid stagings of the Vienna Actionists.
Till revisits this theme in his series of Handgranaten (hand grenades), in which Christmas tree baubles become museum-like visual works. The humorous and at the same time precise play on words refers to protest actions in which Christmas tree decorations filled with paint become projectiles. Till creates a field of tension between pacifist festivity and violent protest gestures, in which viewers can situate themself in a reflected form.
Sixty years after its inception, Viennese Actionism continues to spark critical debate. In this context, Till deliberately refrains from referring to Otto Mühl, who was sentenced to several years in prison in 1991 for sexual abuse and rape. In his works, he deals with the hidden logic of image creation that has linked action art and activism over the decades. Being a perceptive observer, he draws our attention to connections that would otherwise stay hidden and translates them into his own, humorously pointed, artistic language. He explores the diverse mechanisms of visual communication—and creates a space for resonance where questions stay open and keep echoing.
Milen Till was born in Munich in 1984. Together with his brother Amédée, he formed the legendary DJ duo Kill The Tills before turning to visual arts in 2016. He studied at the Munich Art Academy under Gregor Hildebrandt, graduating in 2020. He has participated in numerous solo and group exhibitions, including at Galerie Crone, Berlin; Galerie Ruttkowski;68, Cologne; Galerie Klüser, Munich; Baumwollspinnerei Leipzig; Kunstverein Heppenheim; Galerie Suzanne Tarasieve, Paris; Avlskarl Gallery, Copenhagen; Villa Schöningen, Potsdam; Villa Stuck, Munich, Kunstquartier Bethanien, Berlin, and the Romanian Cultural Institutes in Berlin and Paris. Till‘s first book, Till Now, was published in June 2023 by Hatje Cantz Verlag.
Text by Anja Heitzer
Photos © Simon Veres

